Aya Oosawa ist eine schüchterne Schülerin im letzten Mittelschuljahr. Ihre Welt besteht aus Popmusik und Tagträumen über die große Liebe. Als sie zufällig Mitsuki Yuu begegnet, einen cool wirkenden „Boy“ mit Gitarre und rebellischer Ausstrahlung, ist sie sofort fasziniert.
Doch Yuu ist in Wirklichkeit ein Mädchen Mitsuki Koga aus Ayas Parallelklasse. Diese Entdeckung wirbelt Ayas Gefühle durcheinander. Was folgt, ist eine leise, berührende Geschichte über vorsichtige Annäherung, das Infragestellen eigener Erwartungen und die Entdeckung einer ersten, zarten Liebe.
Ohne zu sehr zu spoilern: Der Manga lebt von Momenten. Von einem Blick. Einem Lied. Einer Geste. Und davon, wie sich zwei junge Menschen langsam öffnen.


Wie geht es mit dem Manga The guy she was interested in wasn’t a guy at all weiter?
Aktuell erscheint der Manga in unregelmäßigen Kapiteln weiter online. Kadokawa hat bereits mehrere Sammelbände veröffentlicht, darunter auch Übersetzungen für den internationalen Markt. Thematisch deuten die weiteren Kapitel auf eine behutsame Entwicklung der Beziehung und verstärkten Fokus auf die Lebensrealität der beiden Protagonistinnen hin – inklusive familiärer, gesellschaftlicher und schulischer Dynamiken.
Autorin Sumiko Arai – Biografie, Stil und Stimmen zur Künstlerin
Sumiko Arai ist eine noch junge Stimme in der Manga-Welt. Obwohl sie bisher kaum öffentlich in Erscheinung tritt, gilt sie mit The Guy She Was Interested in Wasn’t a Guy at All als eine der vielversprechenden Mangaka der neuen Generation. Geboren in Japan, aber ohne viele biografische Details in der Öffentlichkeit, reiht sich Arai in die Tradition vieler Manga-Schaffender ein, die ihre Arbeit für sich sprechen lassen.
Arai begann mit Kurzgeschichten und Doujinshi, bevor sie 2020 mit dem One-Shot von The Guy She Was Interested in… im Online-Magazin Comic Walker debütierte. Die Resonanz war so positiv, dass Kadokawa eine Fortsetzung in Serienform ermöglichte. Für Arai war das der Durchbruch.
Stilistisch besticht ihr Werk durch klare, unaufgeregte Linien, dezente Schraffuren und eine hohe emotionale Dichte in Mimik und Körpersprache. Die Charaktere werden durch subtile Gestik und unausgesprochene Gefühle lebendig. Dabei verzichtet Arai bewusst auf visuelle Überladung. Ihre Panels atmen Ruhe und erlauben emotionale Tiefe.
In einem seltenen Interview mit Comic Walker sagte Arai:
„Ich habe selbst lange nach Geschichten gesucht, in denen ich mich wiederfinde. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die zwischen Unsicherheit, Hoffnung und Sehnsucht schwebt – ohne zu groß aufzutragen.“
Kritiken loben vor allem diese Zurückhaltung. Die Website Anime Feminist schreibt:
„Ein zarter, ehrlicher Yuri-Manga, der nicht von Drama lebt, sondern von Augenblicken. Arai hat ein Gespür für queere Erfahrungen, das selten so fein eingefangen wird.“
Auf Social Media ist Arai besonders bei jungen, queeren Leser:innen beliebt. Viele betonen, wie befreiend und identifikationsstiftend der Manga sei. Leser:innen schreiben auf Plattformen wie MyAnimeList:
„Endlich ein Yuri, der sich nicht für meine Gefühle entschuldigt.“
„Ich wünschte, es hätte solche Geschichten gegeben, als ich Teenager war.“



Das Genre Yuri – Liebe zwischen Mädchen in Geschichte und Gegenwart
Yuri ist ein Subgenre der Manga- und Anime-Welt ( siehe auch unser Yuri Event), das sich auf Liebes- und Beziehungsdarstellungen zwischen weiblichen Charakteren konzentriert. Der Begriff bedeutet wörtlich „Lilie“ und wurde in den 1970er-Jahren geprägt, in Anlehnung an das Barazoku-Magazin, das für schwule Männer stand („Bara“ = Rose), während Yurizoku als Pendant für lesbische Themen etabliert wurde.
Die Ursprünge des Genres finden sich in Shoujo Ai („Mädchenliebe“)-Elementen in Mädchenschulgeschichten der 1910er bis 30er Jahre, etwa in Werken wie Nobuko Yoshiya’s Hana Monogatari. Hier wurden oft tragische, idealisierte Freundschaften mit homoerotischen Untertönen dargestellt. In den 1990er- und 2000er-Jahren entwickelte sich daraus ein eigenes Genre mit immer mehr Raum für offene lesbische und queere Figuren.
Heute ist Yuri ein vielfältiges Feld: Es reicht von idealisierten Fantasien für ein heteronormatives Publikum bis zu realistischer Repräsentation queerer Lebensrealitäten. Letzteres findet sich besonders in Indie-Werken oder Titeln aus dem Doujinshi-Bereich. The Guy She Was Interested in Wasn’t a Guy at All steht hier für eine neue Generation von Yuri-Manga, die nicht für den „Male Gaze“ produziert werden, sondern für queere Leser*innen selbst.
In Japan ist das Thema weiterhin ambivalent: Queere Figuren sind sichtbarer, doch echte queere Lebensrealität wird im Mainstream selten abgebildet. Werke wie dieser Manga sind daher wichtige Brücken zwischen Unterhaltung und Repräsentation.
Unsere Besprechung im Lesekreis

„Ich war total überrascht, wie einfühlsam das Ganze erzählt ist. Die Beziehung wird nicht überdramatisiert, sondern wirkt echt.“
„Ich hätte mir ehrlich gesagt ein bisschen mehr Tempo gewünscht – manchmal war mir die Handlung zu langsam.“
„Es war schön zu sehen, wie Aya immer mutiger wird. Ihre Entwicklung war für mich der stärkste Teil der Geschichte.“
Einige Teilnehmer:innen betonten, wie wichtig solche Geschichten für queere Sichtbarkeit sind, besonders im Jugendbereich. Die Tatsache, dass The Guy She Was Interested in Wasn’t a Guy at All von vielen Leser*innen in sozialen Netzwerken als „ehrlich“ und „repräsentativ“ beschrieben wird, zeigt seine Bedeutung.
Ein schönes Zitat der Autorin aus einem seltenen Interview bringt das Ziel des Mangas auf den Punkt:
„Ich wollte eine Geschichte erzählen, die gleichzeitig leicht und bedeutungsvoll ist. Es geht um das erste Verliebtsein, aber auch darum, wie wir andere sehen und was wir erwarten.“
Sumiko Arai (Comic Walker, 2021)
Quellen:
- Interview mit Sumiko Arai in Comic Walker, 2021
- Kadokawa Verlag (JP)
- Anime Feminist (Rezension, 2022)
- Susan J. Napier: Anime from Akira to Howl’s Moving Castle (Kapitel zu Yuri)
- Mark McLelland: Love, Sex, and Manga: Japanese Popular Culture and LGBTQ Representation


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