
Die Welt der japanischen Comics ist längst viel mehr als nur Action und Abenteuer: Sie ist bunt, divers und voller emotionaler Tiefen. Unter dem weiten Regenbogen der LGBTQIA+-Community bietet der Mangamarkt eine enorm vielfältige Auswahl an Geschichten, die Identität, erste Lieben, Selbstakzeptanz und das Finden der eigenen „Chosen Family“ zelebrieren. Ob Boys Love, Yuri oder Geschichten abseits der klassischen Schubladen: Queere Mangas bieten oft so viel mehr als nur das klassische Coming-out – sie zeigen starke Beziehungen, echte Gefühle und Charaktere, in denen man sich einfach wiederfindet.
Weil das Spektrum riesig ist und es unglaublich viel zu entdecken gibt, spazieren wir in diesem Lesetipp einmal quer durch das LGBTQ-Alphabet. Für jeden Buchstaben haben wir ein paar echte Herzensempfehlungen herausgesucht, die in keinem Regal fehlen sollten.
L – wie lesbisch
In der japanischen Comic-, Manga- und Anime-Szene bezeichnet das Yuri-Genre Geschichten, in denen die Liebe zwischen Frauen im Mittelpunkt steht. Wobei hierfür des Öfteren auch der Begriff “Girls’ Love” oder die Abkürzung „GL“ verwendet wird. Manchmal wird auch der Begriff „Shojo Ai“ für süße, unschuldige Romantik verwendet, wobei dieser in Japan selbst eigentlich nicht zur Bezeichnung des Genres verwendet wird. Die Bücher richten sich sowohl an eine weibliche wie auch männliche Zielgruppe.
Die dargestellten Beziehungen im „Yuri“-Genre sind nicht immer von romantischer oder sexueller Natur. Ebenso kann eine tiefe emotionale, freundschaftliche oder spirituelle Verbindung zwischen Frauen gezeigt werden.
Unsere Empfehlungen für Mangas über Frauenliebe
- Our days at Seagull Villa – Lesetipp
- The Guy she was interested in wasn’t a guy at all – Lesekreis Nachlese
- Flüster mir ein Liebeslied
- Lust auf ein Date?
- Mehr Manga-Empfehlungen von unserem Yuri-Event



G – wie gay (schwul)
Das Wort Yaoi beschreibt eine Liebesgeschichte zwischen Männern. Der Begriff stammt ursprünglich aus der japanischen Fandom-Kultur der 1970er und 1980er Jahre und ist ein Akronym für einen Satz aus drei Wörtern: yama nashi, ochi nashi, imi nashi (übersetzt etwa: „kein Höhepunkt, kein Punkt/Ende, kein Sinn“). Damit machten sich Fans anfangs humorvoll über Amateur-Fanfictions lustig, die sich rein auf emotionale oder intime Momente konzentrierten, statt eine komplexe Handlung zu haben.
Während „Yaoi“ früher oft für explizitere Werke stand, wird heute im Handel meist der Begriff BL (Boys Love) verwendet. BL deckt eine riesige Bandbreite ab – von süßen Alltags-Romanzen bis hin zu tiefgründigen Dramen. Unschuldige, sanftere Varianten heißen oft auch Shonen Ai. Fans dieser Genres nennen sich selbst oft mit einem Augenzwinkern Fujoshi („verdorbenes Mädchen“) bzw. Fujodanshi/Fudanshi („verdorbener Junge“).
Unsere Empfehlungen für Mangas über Männerliebe:
- Given
- Der Metalhead von nebenan
- Snow Fairy
- Kirschblüten im Winter
- Cherry Magic
- Sasaki und Miyano
- Nomi x Shiba
- Sag es mit deinen Händen
- She likes gay boys but not me
B – wie bisexuell
Leider gibt es hierzu kein eigenes Manga-Genre, welches als solches vermarktet wird. Aber wenn man genauer hinsieht, ist ein sehr großer Teil der Charaktere in Boys Love und Girls Love nicht homosexuell sondern auf dem bisexuellen Spektrum. Beispielsweise werden Ritsuka und Akihiko aus Given als bisexuell dargestellt, da es in dem Manga aber um Liebe zwischen Männern geht, wird die Reihe zu Boys Love gezählt. Wie auch in der realen Welt gibt es also auch hier bi-erasure.
Unsere Empfehlungen für Mangas, die das Thema Anziehung zu mehr als einem Geschlecht behandeln:
- My mixed up first love
- Blue Flag
- Himmelblaue Zeiten
- Heartstopper (Graphic Novel)
T – wie transgender
Auch zu diesem Buchstaben gibt es kein eigenes Genre, sondern eher zentrale Motive oder Charaktere. Doch Geschichten, die sich mit Geschlechtsidentität, Selbstfindung und gesellschaftlicher Akzeptanz auseinandersetzen werden mittlerweile vermehr veröffentlicht. Die Bandbreite reicht von autobiografischen Erfahrungsberichten über tiefgründige Dramen bis hin zu leichten Slice-of-Life-Geschichten. Die Motive bzw. Story-Tropes genderbender, crossdressing und bodyswap beschäftigen sich ebenfalls mit Geschlechtsidentität, aber auf komödiantische Weise. Bei „genderbender“ geht es um Charaktere, welche durch beispielsweise einen Zauber oder Verkleidung (crossdressing) ihr Geschlecht wechseln können. Bei bodyswap um Personen, die den Körper tauschen. Beide Tropes haben allerdings nicht automatisch etwas mit Genderidentität oder Transgender zu tun – wie beispielsweise der bekannte Film „Your Name“ von Makoto Shinkai.
Unsere Empfehlungen für Mangas zu Genderidentität und Transgender:
- Yunas Reise zum Ich
- Boys run the riot
- The Gender of Mona Lisa
Für Genderbender, Crossdressing oder Bodyswap, wo sich mit Geschlechtsidentität auseinandergesetzt wird:
- Boku Girl
- Mao can’t choose a gender
- Ranma 1/2
Q – wie queer
Hierzu gibt es ebenfalls kein definiertes Genre, allerdings wollen wir euch keine Mangas vorenthalten in denen mehrere queere Identitäten Teil der Geschichte sind:
- Wer bist du zur blauen Stunde?
- Der Mann meines Bruders
- Is Love the Answer? (Aro-Ace-Spektrum)
- I want to be a Wall
- Heartstopper – passt einfach zu jedem Buchstaben
Ihr liebt Mangas zu queeren Themen? Dann kommt ins Rikoki vorbei – wir haben zwei eigene Regale voll mit Mangas zu Girls Love, Boys Love und anderen bunten Storys.
